Der Tag fängt mit Regen an und verspricht sehr saumäßig zu werden. 8½ Gewehrreinigen, 10-11½ Grabenpatroullie, 1 Uhr Wasserholen, 7 Essenholen, 10-11½ Lauscherposten, 4-5½ Beobachtungsposten. Die Nacht war, abgesehen von einzelnen Patroullienplänkeleien und dem öfteren abfeuern von Leuchtkugeln feindlicherseits, ziemlich ruhig. Nachmittags hörte der Regen auf und die Nacht war sternenhell aber recht stürmisch.
Tagebuch 12.2.1915
Witterung trübe, es hat mit schneien aufgehört und schmilzt bereits wieder, sodaß wieder alles eine Sauerei ist. 7-8½ Grabenpatroullie, 9 Uhr Gewehrreinigen, 10 Uhr wurde ein Pionier verwundet beim Arbeitsdienst, Bauchschuß. Mittags Arbeitsdienst. 8½-10 und von 2½-4 Grabenpatroullie. Die Nacht war verhältnismäßig sehr ruhig und sternenhell. Wir wurden außerordentlich viel mit Leuchtkugeln bedacht.
Tagebuch 11.2.1915
Witterung trübe, feucht, kalt, später erwas heller. 8 Uhr Kaffeeholen, Gewehrreinigen dann Arbeitsdienst. 1-2½ Grabenpatroullie, dann wieder Arbeitsdienst. Um 6½ Uhr wieder feindl. Artilleriefeuerüberfall wie tagtäglich um die Zeit. Es galt anscheinend diesmal den Feldküchen auf der Straße Villers-Andechy jedoch ohne Schaden. 9½ Probealarm. Später ging eine gemischte Patroullie der 9. u. 10. Komp., 10 Mann stark, nach dem feindlichen Schützengraben und kam auch ans feindl. Drahtverhau, wo sie beim Zerschneiden der Drähte von dem Posten entdeckt wurden, welcher sofort das Feuer eröffnete und Alarm schlug, wobei ein Mann unserer Komp. getroffen wurde. Die anderen zogen sich darauf zurück. Es folgte nun ein feindl. Inft.Feuerüberfall auf unserer ganzen Linie, weil die Franzosen anscheinend eine Überrumpelung unsererseits befürchteten und dem vorbeugen wollten. Bei uns trat hierauf erhöhte Befehlsbereitschaft ein, sodaß von jeder Gruppe 4 Mann am Gewehr sein mussten. 11 ¾ Uhr setzte ein Artilleriefeuer ein, dass alles dröhnte, welches 5 Minuten anhielt und feste in unsere Stellung rinpaukte. Als Resultat hatte die 11. Komp., welche an unserem rechten Flügel anschloß, wo auch ich stand, 2 Tote und ein Schwerverwundeter, welcher aber auch binnen 2 Stunden verschied. Von der Patroullie fehlten des Morgens 3 Mann, 2 Mann von der 9. und 1 Mann von unserer Komp.. Wir hatten somit einen Verlust von 6 Mann in unserem Battl. in dieser Nacht. Friede Ihnen. 11½-12 ¼ u. von 12 ¾-2½ Uhr Grabenpatroullie. Die Nacht war im Allgemeinen ziemlich lausig, trübe und gegen Morgen setzte Schneefall ein, sodaß beim Hellwerden das ganze Gelände in eine Winterlandschaft verwandelt war. Zu bemerken ist noch, dass dieses der erste Schnee war, den ich in Fankreuch gesehen habe.
Brief: Villa Franzosenzauber, den 10. Februar 1915
… Bin nun jetzt den dritten Tag hier im Schützengraben und habe mich in die Geschichte hier nun so ziemlich eingelebt. Sitze momentan hier in unserer Villa „Franzosenzauber“, wie ich unsere Erdhöhle mal vorläufig getauft habe, Hieß früher „Sperlingslust“ konnte mir aber nicht gefallen. Heute Abend wenn wir alle 6 Mann, die hier ihr Heim haben, beisammen sind wird sie entgültig getauft.
Also wie gesagt, sitze eben hier auf meinem Bett, meine Decke ist der Schreibtisch auf meinen Knieen, mit dem Notizbuch als Unterlage und schreibe Dir die paar Zeilen. Nun will ich mal kurz beschreiben wie unser Heim aussieht. Ist ein Erdloch von 4m Länge und 2 1/2m Breite, ist 1,60m hoch, kann also nicht grade drin stehen. Der Fußboden ist Lehm, die Wände sind Lehm, hier und da ein Pfosten zwischen als Stütze für die Decke. Diese ist mit Balken und Trägern abgedeckt mit Wellblech drauf und dann noch so nen 1/2 bis 3/4m Erde drauf. Die Tür ist so ne Art Saustallstür mit ner halben Fensterscheibe drinnen. Als einziges Stück Möbel haben wir son Stück Ufchen. Unsere Betten sind direkt auf dem Boden. Zwei Bündel Stroh sind unser Lager für 6 Mann und der Tornister als Kopfkissen. Jeder Mann hat auch eine Decke. Als Wanddekorationen dienen die Waffen und Ausrüstungsgegenstände. Das Brot wird an eine Kordel gebunden und an die Wand gehängt und oben zwischen die Balken wird der andere kleine Kram gelegt. Tisch und Bank ist Luxus; man kommt zur Tür rein oder besser gesagt kriecht rein und schon liegt man an seinem Platz. Hunger braucht man keinen zu leiden und der Dienst ist auch nicht übermäßig stramm. Morgens um 8 Uhr wird Kaffee getrunken, der hier unter der Erde von der Komp. gekocht wird, kommt auf den Mann 1/2 Liter. 1/2 9 ist Gewehrreinigen anschließend müssen die Gänge und Laufgräben rein gemacht werden. Von 1- 5 1/2 ist Arbeitsdienst. Um 7 wird abwechselnd Essen und Kaffee bei der Feldküche geholt, die bis eine halbe Stunde hinter den Schützengraben herankommt. Im Laufe des Taces muss man 1 1/2 Stunde Posten stehen im Schützengraben und im Laufe der Nacht muss man 2 mal 1 1/2 Stunde Posten stehen vorm Schützengraben und des morgens noch im Dunkeln abwechselnd Wasser und Holz holen, dass die Franzmänner nix merken. Wenn nur blos die Witterung trocken ist, sind wir schon zufrieden. Wenns auch hier regnet, dann ists schön gewesen, dann bleibt man stellenweise als im Dreck stecken. Dann sieht man aus wie ein Backsteinmacher und noch was schöner. musste schon mancher aus dem Dreck ausgegraben werden. Brot gibt es auch genug und Liebesgaben werden auch ziemlich verteilt auch zum Razchen. – Nor koa Engst
Tagebuch 10.2.1915
Morgens neblig, später etwas heller aber trocken. 6½ Holz und Stroh geholt in Andechy. 8 Uhr Kaffee. 9½-11 Grabenpatroullie. Mittags Arbeitsdienst im Dreieckswäldchen, Tannenzweige holen. 8 Uhr Essen holen, 11½-1 und von 5½-6 Grabenpatroullie. Die Nacht war ziemlich ruhig,später Nebel und Frost. 1 Mann der Komp. wurde auf Lauscherposten verwundet, Hüftschuß. 9. und 12. Komp. auch je 1 Mann verwundet.